Lernen 4.0 – ein verlorener Parkplatzstreit?

medhi-business_peopleMassive Open Online Courses (MOOC) Konzepte liegen derzeit überall auf den Tischen der Weiterbilder und wieder einmal hat man den Eindruck, die Suche nach dem heiligen Gral ist in der nächsten Einbahn-Höhle angekommen.

Warum Einbahn ist relativ einfach zu beantworten. Es gibt keinen Weg zurück. Kennen Sie das? Sie suchen einen Parkplatz in einer Einbahnstraße. Da war er gerade eben, wartend und der Rückspiegel verrät Ihnen, der Fahrer direkt hinter Ihnen scheint kein Interesse an der einladenden Lücke zu haben. Aber – das Wesen von Einbahnstraßen ist eben, dass die eine Straße hinführt und um an den Anfang zurück zu kommen, muss man danach viele wilde Querstraßen, viel Aufwand betreiben, um den Anfang der Straße und damit die Parklücke wiederzufinden. Gut, wer sich auskennt, der kürzt eventuell ab und hat das Glück. Wir von anderen Städten mit anderen Einbahnstraßen sehen meist verkniffen zu, wie ein Glücklicher den Platz dann einnimmt, den wir innerlich schon längst als unser Recht verbucht hatten.

 

Was hat dies alles mit MOOC zu tun?

Dazu später, aber zuerst einmal was ist MOOC? Genauso wie Gamification und in weiten Teilen E-Learning ist es eine telekommunikative Methode des Lernens. Gamification ist die spielerische Variante, man lernt durch dezidierte Computerspiele, der humanste Ansatz, den man sich vorstellen kann, so sind die E-Learning- Methoden MOOC weniger lernfördernd, als bisher angenommen.

Bei E-Learning sitzt ein Mensch vor einem Computer. Er muss seinen Stoff zuerst selektieren und sich dann den gewählten Stoff durch die angebotene Aufbereitung aneignen. Memorieren- und Abfragen sind Optionen und bei vielen gibt es sogar Abschlussprüfungen.

Dieses selbstgesteuerte Lernen, begleitet von einem offenen Austausch und der Vernetzung mit anderen Lernenden hat natürlich in der Regel enorme Zeit- und Kosten-Vorteile. Diese Vorteile verleiten nun viele Konzerne dazu, das System zum Teil weltumspannend einzusetzen. So setzt die Telekom auf „Magenta MOOC“, um Mitarbeiter zu befähigen, im eigenen Arbeitsumfeld innovatives Handeln zu entwickeln und das in 32 Ländern gleichzeitig. Was für eine Ersparnis dies in Zahlen gegenüber Präsenzseminaren bringt, lässt sich leicht ausrechnen. Andere Konzerne ziehen nach und setzen dabei auf die hohe Lernmotivation der Mitarbeiter.

Kommen wir zurück zur Einbahnstraße. Als erstes möchte ich einem Missverständnis vorbeugen, ich möchte hier tatsächlich nicht von den technischen Aspekten sprechen, denn interaktiv und damit biodirektional sind alle IT basierten Lernkonzepte allemal, das also wäre perfekt. Aber die Suche nach einem Parkplatz ist eben nicht nur eine technische Angelegenheit, sondern höchst emotional, wie jeder erfahrene Parkplatzsucher bestätigen wird.

Beim Lernen spielen Emotionen eine bestimmende Rolle. Haben Sie schon einmal versucht bei schlechter oder gar keiner Stimmung zu lernen? Dann wissen Sie, wovon ich spreche. Glaubt man den Neuro-Wissenschaftlern, leistet eine positive Stimmung das Vierfache an Aufnahmekapazität. Trotzdem ist es nicht ganz so einfach, es kommt vielmehr auf die Motive hinter den Emotionen an, so können negative Gefühle, wie Neid und Wut auch mal anspornen und zu übertrieben geschürte, positive Gefühle zum Beispiel bei einer Vertriebsmannsschaft ein Hindernis werden, gelerntes zu verankern.

Die richtige ausgewogene emotionale Haltung ist also wichtig für unser limbisches System um die optimalen Aufnahme-Voraussetzungen zu schaffen. Diese Motivation ist jedoch abhängig von Beziehungen auf Augenhöhe. Kein Computer konnte bisher diese Form von Aufnahmebereitschaft herstellen. Allenfalls gestehe ich dies IT Nerds zu, deren limbisches System beim Anblick eines PCs schon positiv anspringt. Wir anderen brauchen Menschen, Gegenüber, den human touchpoint.

Die Begeisterungswelle für MOOC wird da wohl eine ganze Weile anhalten, bis auch die Großen feststellen, dass hier eben auch mit Wasser gekocht wird. Allein der Glaube treibt die Gemüter – und die Controller, müsste man dazusetzen. Viele reden von den ganzheitlichen Ansätzen, ein anständiges Seminar, ist es denn nach modernen Gesichtspunkten an das menschliche Verhalten angepasst und nicht umgekehrt, kann sehr nahe an den ganzheitlichen Ansatz kommen. Ein Computer selbst mit den besten interaktiven Apps wird das nie schaffen.

Matthias Kletzsch

München im August 2015

 

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