Dauer: 60–90 Minuten
Ziel: Verzerrte Selbstwahrnehmung erkennen, Zweifel einordnen und trotz Unsicherheit handlungsfähig werden
1. Ankommen & Fokussierung (5–10 Min)
Ziel: Thema emotional aktivieren und konkretisieren
Leitfragen:
- „In welchen Situationen taucht dieses Gefühl besonders stark auf?“
- „Was genau geht dir in diesem Moment durch den Kopf?“
- „Was ist deine größte Befürchtung in dieser Situation?“
👉 Intervention:
Lass die Situation möglichst konkret beschreiben (Ort, Menschen, Kontext).
→ Ziel: Weg von abstraktem „Ich bin unsicher“ hin zu einer klaren Szene.
2. Gedanken sichtbar machen (10–15 Min)
Ziel: Den inneren Dialog identifizieren
Typische Kerngedanken herausarbeiten:
- „Ich gehöre hier nicht hin“
- „Gleich merken sie es“
- „Ich bin nicht gut genug vorbereitet“
Leitfragen:
- „Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte?“
- „Woran genau würde man erkennen, dass du ‘auffliegst’?“
👉 Intervention: Gedanken externalisieren
Schreibe den zentralen Gedanken sichtbar auf (z. B. Flipchart / Notiz).
→ Distanz schaffen: Das ist ein Gedanke, nicht die Realität.
3. Realitätscheck (kognitive Verzerrung auflösen) (15–20 Min)
Ziel: Den Denkfehler erkennen (Innen vs. Außen)
Leitfragen:
- „Welche Beweise sprechen dafür?“
- „Welche sprechen dagegen?“
- „Wie oft ist das tatsächlich so passiert?“
- „Was würdest du einer anderen Person in deiner Situation sagen?“
👉 Intervention: Perspektivwechsel
- Innenwelt vs. Außenwelt bewusst trennen:
- Was weißt du über dich?
- Was weißt du wirklich über die anderen?
👉 Kernaussage erarbeiten:
„Ich vergleiche mein Innenleben mit dem Außen anderer.“
4. Der innere Maßstab (10–15 Min)
Ziel: Überhöhte Ansprüche sichtbar machen
Leitfragen:
- „Wann wäre es für dich gut genug?“
- „Wie gut müsste jemand sein, um deiner Erwartung zu entsprechen?“
- „Gilt dieser Maßstab auch für andere?“
👉 Intervention:
Skalierung von 0–100:
- „Wo stehst du aktuell realistisch?“
- „Ab wann würdest du dir selbst erlauben, dich sicher zu fühlen?“
→ Oft zeigt sich eine unrealistisch hohe Schwelle (z. B. 90+)
5. Verhaltensebene: Handeln trotz Zweifel (15–20 Min)
Ziel: Vom Denken ins Handeln kommen
👉 Kernprinzip:
Sicherheit entsteht durch Erfahrung, nicht durch Vorbereitung.
Leitfragen:
- „Was würdest du tun, wenn du diesen Gedanken nicht hättest?“
- „Was wäre ein kleiner, machbarer nächster Schritt?“
👉 Konkrete Mikro-Experimente definieren:
- Im nächsten Meeting einmal früher sprechen
- Eine unfertige Idee äußern
- Eine Frage stellen, statt alles perfekt formulieren zu wollen
Wichtig:
Nicht „groß verändern“, sondern gezielt kleine Verhaltensänderungen.
6. Reframing: Zweifel neu einordnen (10 Min)
Ziel: Beziehung zum Zweifel verändern
👉 Neue Perspektive erarbeiten:
- Zweifel = Reflexionsfähigkeit
- Zweifel = Bewusstsein, nicht Schwäche
Leitfragen:
- „Was sagt dein Zweifel Positives über dich aus?“
- „Was wäre die Alternative – völlige Selbstüberschätzung?“
👉 Optionaler Satz (verankern):
- „Ich darf zweifeln – und ich handle trotzdem.“
7. Integration & Transfer (5–10 Min)
Ziel: Nachhaltigkeit sichern
Leitfragen:
- „Was nimmst du heute konkret mit?“
- „Was wirst du in den nächsten 7 Tagen anders machen?“
- „Woran merkst du, dass sich etwas verändert?“
👉 Hausaufgabe:
- 1 konkrete Situation bewusst anders gestalten
- Kurz reflektieren:
- Was ist passiert?
- Was habe ich erwartet?
- Was ist tatsächlich eingetreten?
🔁 Optional für Folgesitzungen
- Muster über mehrere Situationen analysieren
- Selbstbild vs. Fremdbild systematisch abgleichen
- Arbeit mit inneren Anteilen („kritische Stimme“)
- Exposition: gezielt in „unsichere“ Situationen gehen
🧠 Kurzlogik des gesamten Prozesses
- Bewusst machen (Gedanken erkennen)
- Einordnen (Denkfehler verstehen)
- Relativieren (Realitätscheck)
- Handeln (trotz Zweifel)
- Erleben (neue Erfahrung machen)
