Der Ärger mit Schwarzweiß- und Farbpreisen

Unlautere Praktiken?

manmitschirmViele Anzeigenblätter, Magazine und bunte Wochenblätter bieten die Möglichkeiten, Anzeigen zu schalten und Sie können diese in schwarzweiß oder in bunt drucken lassen. Ist Ihnen schon einmal der unterschiedliche Preis aufgefallen? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum hier ein solch großer Unterschied besteht. Ganz sicher wird man Ihnen auf Nachfrage eine plausible Erklärung liefern. Trotzdem möchte ich hier einmal als Insider der Szene nicht aufklären, sondern mich auch für meine Branche entschuldigen.

Eines der – modernsten – Coaching-und Seminar-Institute und ein ebenso modernes regionales Anzeigenblatt sollte in allen Belangen diesem – modernen – Anspruch genügen! Sind wir uns da einig? Eine hochmoderne Druckerei für Fachmagazine erst recht!

Warum in aller Welt werden uns dann immer noch in vielen Media-Unterlagen der Anbieter unterschiedliche Preise für Farb- oder Schwarzweißanzeigen untergeschoben? Sie denken, das ist doch normal so, mitnichten, wir leben im 21 Jahrhundert. Aber es scheint ein einfacher Weg zu sein, einen gegenwertlosen Geldstrom aufrecht zu erhalten, indem man Kunden dumm hält, in dem Sinne von „nicht wissend“. Sorry, es ist tatsächlich so einfach.

Nehmen wir hier mal den Zeitungsdruck heraus, laufen fast 95% aller Drucke über 4-Farb-Offsetmaschinen oder den digitalen Druck. Druckt diese Maschine nun eine Viertelseite von einer ganzen an sonst farbigen Seite in schwarz, scheint sie also 25% an Farbe zu sparen, was faktisch aber genauso falsch ist, als dass sie im Falle einer Farbanzeige an derselben Stelle 25% mehr Farbe benötigt. Im Durchschnitt sind es etwa 0,5 bis 5%, je nach Anzeigengröße, umgerechnet ca. 0,0003 bis 0,001 Cent. Das Waschen der Farbwalze mag in einzelnen Betrieben noch von Hand geschehen und dann 1% mehr Aufmerksamkeit fordern, was bei einer Anzeige von 105 x 148 mm jeder Farbtupfen ungefähr 0,001% mehr Aufwand bedeutet. Im 21 Jahrhundert geschieht das meiste davon elektronisch. Dem Computer und der Waschmechanik ist es egal wie viele Pigmente sie hin fortzutragen hat.

Eine Schwarzweiß-Anzeige kostet bei dem vorgenannten Seminar Magazin 1400 Euro plus, dieselbe Anzeige in Farbe 2190 Euro. Wie ist das möglich, da im Workflow, wie dargestellt, heute kein signifikanter Unterschied mehr im Handling von Vierfarbvorlagen zu Schwarzweißvorlagen besteht? An dieser Stelle lässt sich nur vermuten, dass hier aus monetären Gründen an einem veralteten System festgehalten wird, damit so lange wie möglich Profit aus der Unwissenheit von Kunden herausgezogen werden kann.

Drucker werden Ihnen bestätigen, dass eine Vierfarbanzeige auf einer Magazinseite nicht einen geringsten Unterschied im Handling, der Vorbereitung und Umsetzung ausmacht. Jede Vorlage, die als PDF, InDesIng, Photoshop oder TIFF hereinkommt liegt, wenn gut vorbereitet, bereits als CMYC vor. Schwarzweißanzeigen können schon mal zuerst als Bitmaps oder Graustufenbild vorliegen. Dann muss der Drucker oder Mediengestalter der am PC die Daten aufbereitet, diese in das Format-System der Druckmaschine umwandeln. Aber er kontrolliert und konvertiert sowieso die meisten Dateien. All dies geht heute elektronisch vonstatten, wir sind nur noch einen Click von einem anderen Format entfernt.

Vor ca. 30 Jahren arbeitete ich im Praktikum auch als Lithograf und musste noch richtige lithografische Filme in Größen bis 82 cm Kantenlänge bearbeiten, um diese für den Druck vorzubereiten. Die Handhabung war umständlich und bei einem Vierfarbendruck musste ich vier Filme vorbereiten, jeweils einen riesigen Film für jede Farbe: Magenta, cyan, yellow und schwarz. Die Dämpfe der Entwicklungsbäder rieche ich heute noch. Manchmal kam noch eine Sonderfarbe dazu. Für eine Schwarzweißseite musste dann nur ein Film belichtet und eine Platte gerichtet werden. Die Maschinen waren tatsächlich noch eingeteilt in Vierfarbendruckmaschine und Einfarben-Druckwerk. Heute ist das Geschichte, alles läuft durch dieselben Maschinen, es sei denn, es werden Spezialdrucke verlangt. Bei den meisten Magazinen ist dies heute ordinärer Offsetdruck. Damals war es für Magazine, der Qualität wegen, fast ausschließlich Tiefdruck. Längst rationalisiert und die Allesdruckmaschinen spucken jede gewünschte Auflage und Farbenmischung auf Knopfdruck aus. Meine Buchproduktion ist „On Demand“, benötige ich ein Buch, ruft der Drucker meine Dateien ab und die Heidelberger Maschine spuckt mir ein einzelnes Exemplar aus. Des Druckers Hände bleiben trocken und sauber, sofern er seine Tastatur von Zeit zu Zeit reinigt. Inzwischen klopft der 3D Druck heftig an die Tür.

Gestehen wir also den Media-Anstalten noch ein wenig Zeit und Geld für die heiße Luft zu. In diesem Falle wäre ich mit 5 bis 10% absolut einig, denn die Kohleindustrie wird ja auch noch subventioniert. Aber mehr ist nicht drin. Leider sind zu viele Produzenten von den Anzeigen noch abhängig, aber „digital“ kommt, und wenn hier dieser Unterschied auch noch angebracht werden sollte, hoffe ich doch, dass spätestens dann die Leute aufwachen.

Nach dem Motto, Werbung für Seite X. Ein farbiges Banner kostet 1000 Euro und farbig das Doppelte. Hier spätestens dürfte der Schwindel auffliegen. Doch ich rate meinen Kunden jetzt schon, schaut Euch die Media-Daten an und lasst Euch nicht veräppeln. Zeitweise haben wir Mitarbeiter der Media-Abteilung angerufen und diese beantworteten die Frage mit dem Verweis auf die Druckerei.

Ich konnte den Eindruck nicht loswerden, dass man sich da dumm stellte, um ein System nicht zu gefährden. Wenn ich diese Leute dann aber ernst nehmen soll, greift leider ein anderer Grundsatz von mir, arbeite so wenig wie möglich mit dummen Leuten zusammen.

In diesem Sinne, das Lesen dieses Artikels in einfarbig, hat sie nicht weniger gekostet als wenn er vierfarbig wäre. Darüber dürfen Sie nun nachdenken.

Unsere Anzeigenangebote gestalten wir eindeutig, darauf dürfen Sie ebenfalls setzen.

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